Tipps zum Thema Gehaltsverhandlung

Drei Fehler die du bei deiner Gehaltsverhandlung frisch nach dem Studium vermeiden musst

Was hat der Gipfel des Mount-Everest mit deiner ersten Gehaltsverhandlung zu tun?

Es liegen ca. 200 Leichen auf dem Everest (und viele Bergsteiger mehr sind gestorben und bereits abtransportiert worden). Alle diese Menschen dachten, dass sie den Gipfel erreichen und lebendig wieder ins Tal zurückkehren würden. Das spezielle Klima am Everest konserviert die Leichen – fast wie eine Art Warnung an alle die den Berg erklimmen wollen.

Die meisten Everest-Bezwinger meistern den König der Gebirge nur einmal in ihrem Leben. Doch eine Gruppe von Menschen bezwingt den Everest weit öfter: Die Sherpas. Sie waren bei der Erstbesteigung dabei und fast ein Viertel aller weiteren Aufstiege wurde von ihnen begleitet. Heutzutage verlassen sich praktisch alle Bergsteiger auf das Fachwissen der Sherpas.

Denn für die meisten Menschen liegt der erfolgreiche Aufstieg auf den Mount Everest außerhalb ihres Kompetenzbereichs.

Dasselbe gilt für die Gehaltsverhandlung frisch nach dem Studium

Die meisten frischen Absolvent*innen wissen nicht, wie sie das Thema angehen sollen. Man weiß nicht mal, was man nicht weiß. So wie bei einer Everest Besteigung. Es ist nicht in unserem normalen Kompetenzbereich. Das was die Sherpas für die Mount Everest Bezwinger sind, soll dieser Artikel für deine erste Gehaltsverhandlung sein: Eine erste Dosis an Information, die sicherstellt, dass du lebendig und erfolgreich den Gehaltsgipfel erklimmst und ohne Schaden aus dem Gehaltsgespräch rausgehst.

Vorweg: Dieser Artikel ist für frische Absolvent*innen. Wenn du bereits länger im Job bist und dein Gehalt beim aktuellen Arbeitgeber verhandeln willst, solltest du trotzdem weiterlesen. Für das Thema findest du u.a. weiterführende Links im Text.

So wie bei den Bergsteigern und in vielen anderen Situationen geht es vor allem darum Fehler zu vermeiden, deshalb konzentrieren wir uns auf drei Fehler und wie du sie vermeidest:

  • Fehler #1: Nicht zu wissen und nicht belegen zu können wie viel du verdienen solltest.
  • Fehler #2: Die Balance zwischen gar nicht verhandeln und zu verbissen zu verhandeln zu verlieren.
  • Fehler #3: Nach der ersten Gehaltsverhandlung nicht sofort an die nächste Verhandlung zu denken.

Bereit? Dann legen wir die Steigeisen an und erklimmen den Gehaltsgipfel.

#1: Nicht zu wissen und nicht belegen zu können wie viel du verdienen solltest

Bevor du überhaupt an die Gehaltsverhandlung denkst, solltest du herausfinden was ein übliches Gehalt für dich und deinen Bereich ist. Selbst wenn du alle anderen Tricks & Kniffe bei der Gehaltsverhandlung beherrscht – ohne zu wissen wie viel du verdienen solltest, bist du auf verlorenem Posten. Das wäre wie der Everest Aufstieg in Unterwäsche (das geht nur wenn du Wim Hof bist ;)).

Die entscheidenden Schritte, um zu wissen wie viel du verdienen solltest sind:

1) Die richtige Online-Recherche
2) Mit echten Menschen sprechen um deine Range zu verfeinern
3) Expertenzahlen verwenden

Wir haben diesen Prozess in unserem Artikel: Drei einfache Schritte um zu wissen, wie viel du zum Jobstart als FH-/Uni-Absolvent*in verdienen wirst (LINK) ausführlich beschrieben. Lies den Artikel, um herauszufinden wie du vorgehen solltest.

Machen wir weiter mit Fehler Nummer 2.

#2: Die Balance zwischen gar nicht verhandeln und zu verbissen zu verhandeln zu verlieren

Egal was du gerade denkst: Du glaubst vielleicht zum Start dein Gehalt gar nicht verhandeln zu dürfen oder du glaubst dir steht das größte Büro, ein Gehalt nur knapp unter dem der Geschäftsleitung und ein Riesenbonus jedes Jahr zu. Das Ziel dieses Artikels ist dir die Tools in die Hand zu geben, um dein Gehalt erfolgreich zu verhandeln.

Doch das kann auch nach hinten losgehen

Die Gefahr, dass du nicht verhandelst ist mit diesem Artikel, den zusätzlichen Links und viel Übung deinerseits in den meisten Fällen gebannt. Doch die Gefahr es zu übertreiben ist umso mehr präsent.

Stell dir vor du bist in der zweiten Runde beim Vorstellungsgespräch und es geht um’s Thema Gehalt. Das Unternehmen möchte dich unbedingt einstellen. Doch beim Gehalt seid ihr nicht einer Meinung. Du verhandelst beinhart und holst den allerletzten Cent raus. Kurz vorm Unterschreiben verhandelst du nochmals nach und quetscht noch ein Benefit zusätzlich raus. Dein Kompensationspaket ist besser als das deiner Studienkolleg*innen. Grund zum Feiern, oder?

Na ja, nicht so schnell

Es wird von Top-Kandidaten zwar erwartet, dass sie ihr Gehalt verhandeln und du kannst mit geschicktem Verhandeln Personaler beeindrucken, aber wenn du’s übertreibst schadest du dir womöglich selbst. Denn was du auf keinen Fall willst, ist den Eindruck zu erwecken, dass es dir nur aufs Geld ankommt. Wenn du um die letzten 100 € Brutto mehr kämpfst als ein Hund um seinen Knochen, dann ist die Gefahr sehr groß, dass du mit einem negativen Eindruck startest – selbst, wenn du den Job bekommst.

Bitte verstehe mich nicht falsch:

Du sollst dein Gehalt verhandeln und fair bezahlt werden

 Doch das Unternehmen und vor allem dein Verhandlungspartner soll sich danach auch gut fühlen und nicht den Gedanken im Hinterkopf haben, dass du wenn’s möglich gewesen wäre auch noch die Erstgeborenen aller Angestellten für dich beansprucht hättest.

Konkret bedeutet das für dich, dass du, wenn du zum Beispiel als Ziel eine Range von 3.000 bis 3.300 hast, bei einem Angebot von 3.200 nicht toben und schnauben solltest und auf Biegen und Brechen auf 3.300 bestehst. Hier ist es besser durch andere Gehaltsbestandteile (Benefits) auf ein optimales Ergebnis für beide Parteien zu kommen.

Nehmen wir uns Fehler Nummer 3 vor:

#3: Nach der Gehaltsverhandlung nicht sofort die nächste Gehaltsverhandlung zu starten

Du hast also den Job fixiert.

Das Gehalt ist auch großartig und du hast “fair” verhandelt.

Wann beginnt die nächste Gehaltsverhandlung?

Sie hat schon begonnen.

In dem Moment, in dem du im Job startest geht’s darum zu zeigen, warum du die nächste Gehaltsanpassung verdient hast. Du musst zur/zum unentbehrlichen Mitarbeiter*in werden. Das bedeutet nicht, dass ohne dich das gesamte Unternehmen zusammenbricht, sondern dass du deine Ziele erreichst (oder besser noch pulverisierst), dass du deinen Vorgesetzten viel Arbeit abnimmst, dass du gewisse Dinge besser kannst als deine Kollegen. Ein Weg dafür kann “Skill Stacking” sein.

Was ist Skill Stacking?

Ich bin auf den Begriff das erste Mal über Scott Adams gestolpert. Es ist unheimlich schwierig in einer einzelnen Fähigkeit (zB Software-Entwicklung) zu den besten 1% zu zählen. Doch was ist, wenn du zu den besten 20% gehörst UND dafür auch zu den besten 20% beim Thema Marketing? Diese Kombination ist viel einfacher zu erreichen als zu den Top 1% in einem einzelnen Thema zu gehören. Die entscheidenden Fragen sind: Welche Skills/Fähigkeiten sind bei dir im Unternehmen bzw. in deiner Position besonders wichtig? Welche Kombination an Fähigkeiten ist selten aber wäre für das Unternehmen und dein Team besonders wichtig und wie kannst du es schaffen diese Fähigkeiten zu lernen und zu kombinieren?

Skill Stacking kann eine der besten Strategien sein, die dich unentbehrlich für das Unternehmen machen.

Deine Ziele musst du natürlich trotzdem erreichen 😉 Falls es bei dir im Unternehmen keine Zielvereinbarung gibt, dann solltest du das selbst anstoßen. Überleg’ dir worauf’s bei dir im Job ankommt und welche Ziele den größten Mehrwert schaffen. Dann sprich mit deinen Vorgesetzten und überzeuge sie, dass du kein durchschnittliche*r Mitarbeiter*in sein willst, sondern eine*r der Top-Mitarbeiter*innen. Und genau deshalb hast du dir Ziele überlegt, die du gerne mit ihnen besprechen und abgleichen möchtest. Hole dir den Input und das “Go” deiner Vorgesetzten. In dem Gespräch kannst du auch erwähnen: “Wenn wir diese Ziele erreichen, würde ich mich auch gerne über das Thema Gehaltsanpassung unterhalten.”

Für noch mehr Infos für die erfolgreiche (zweite) Gehaltsverhandlung nach dem Jobstart kannst du dir unseren “Fahrplan zur (fast) garantierten Gehaltserhöhung” downloaden (einfach auf den Link klicken).

Dieser Artikel ist nur der Start für dein Gehaltsprojekt

 Wenn du an die Everest-Besteiger denkst, dann ist dieser Artikel wie eine 15-minütige Unterhaltung mit einem Sherpa. Nach der wirst du auch nicht sofort den Everest besteigen und lebendig zurückkommen. Dazu ist noch mehr nötig. Oder wie zuversichtlich wärst du nach einem 15-minütigen Gespräch?

Würdest du versuchen, den Everest ohne der Hilfe der Sherpas zu besteigen?

Genau so ist es mit dem Thema Gehalt, Bewerbung & Co. Und genau deshalb haben wir noch Folgendes für dich:

Deine nächsten Schritte

Wenn du gerade frisch mit dem Studium fertig bist oder bald fertig wirst, dann schau dir “Vom Studium zum Traumjob” an. Das ist unser kostenloses, ultimatives Bewerbungstraining für FH-Absolvent*innen. Mehr Infos dazu findest du hier: www.vomstudiumzumtraumjob.at
Mit dem Training beeindruckst du in Zukunft jeden Personaler.

Falls du schon im Job bist und überlegst, wie du im Job selbst am besten Gehalt verhandelst, dann ist unser Gehaltsverhandlungskurs “Einfach Mehr Gehalt” optimal für dich. Mehr Infos dazu findest du hier: www.einfachmehrgehalt.at

Gastbeitrag von Mag. Florian Märzendorfer
FiP.S – Die Finanzplaner